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18.01.2022

Johanna Johanna Business Development

Kostenexplosion: Auswirkungen globaler Inflationssprünge auf die Hotellerie

Am 15. Dezember durfte RateBoard gemeinsam mit hochrenommierten Experten sowohl aus der Finanzwelt als auch aus der Tourismusbranche über das Thema Inflation sprechen.

In diesem Blogartikel berichten wir, wie unsere Experten Monika Rosen, Lisa Neumeier, Martin Gächter, Sebastian Ott und Matthias Trenkwalder dieses Thema aufgreifen, welche Prognosen abgegeben wurden und inwieweit die Hoteliers auch in Zukunft am besten auf die steigende Inflation reagieren können. Das brandaktuelle Thema zog zahlreiches Interesse auf sich und wir von RateBoard sind stolz auf über 300 TeilnehmerInnen!

Für alle, die es nicht geschafft haben, bereiten wir hier nochmals die wichtigsten Inhalte auf und stellen die Aufzeichnung zur Verfügung.

 

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Das Thema Inflation ist momentan brandaktuell und die Newswelt boomt darüber. Wo kommt die hohe Inflation her, wie weit werden die Preise noch steigen und wie können Hotels sich bestmöglich darauf einstellen?

Das waren die zentralen Fragen, die in diesem Webinar aufgegriffen wurden. Die Moderatoren Martin Maneschg und Johanna Holzknecht führten die Experten durch Impulsvorträge und Interviews.

 

Martin Gächter

Martin Gächter ist Leiter der Finanzstabilität der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein. Nachdem er an der Universität Innsbruck dissertiert hat, sammelt er diverse Erfahrungen sowohl an der Österreichischen Nationalbank als auch an der Europäischen Zentralbank. Heute engagiert er sich noch an verschiedenen Universitäten im Inland- und Ausland und ist zudem Mitglied des ATC als auch alternierendes Mitglied des ESRB.

 

„Unsere aktuelle Generation kennt ein Inflationsproblem eigentlich nur noch aus den Geschichtsbüchern. Die letzte große Inflation geht zurück in die 70er Jahre.“

 

Martin Gächter schildert, was der Hintergrund für die aktuelle Inflationsentwicklung ist. Er gibt uns einen Überblick und erklärt, dass die Kerninflation der zentrale Faktor ist, an dem sich die Zentralbanken orientieren. Die Kerninflation stellt die Preissteigerung unter Ausblendung der volatilen Komponenten dar. Volatile Komponenten wiederum sind normalerweise als Energiepreise und Nahrungsmittelpreise definiert.

Als 2020 der Pandemieschock eingetroffen ist, ist die Arbeitslosigkeit stark angestiegen – in den USA noch viel mehr als in Europa. Wenn so ein Schock eintritt, so Herr Gächter, die Arbeitslosigkeit steigt und das BIP einbricht, führt dies auch automatisch zu einem Abwärtsdruck auf die Inflation. „Genau das war auch der Fall: der Ölpreis und die volatilen Komponenten sind durch die Corona Krise vorerst gesunken.“

In weiterer Folge gab es dann eine sehr starke realwirtschaftliche Erholung gab, welche den fiskalpolitischen Paketen zu Grunde liegt. Jetzt flacht diese Erholung aber wieder ab – geschuldet durch Lieferengpässe und Angebotsschocks. „Dies hat einen negativen Einfluss auf die Konjunktur und wenn die Konjunkturabschwächung auf Basis von Angebotsschocks entsteht, hat das potenziell zur Folge, dass die Inflation steigt.“

Um die Frage zu beantworten, ob die Inflation temporär ist, sei es bedeutend, sich die Entwicklung der Basiseffekte (Energiepreise) anzusehen. Der Ölpreis, als Beispiel, ist im März 2020 zuerst markant eingebrochen, hat sich dann aber innerhalb von 12 Monaten wieder auf das Niveau von 2019 entwickelt. Dies hat einen extremen Einfluss auf die Basiseffekte der Inflation. Sollte der Ölpreis nun konstant bleiben, dann würde sich dieser Basiseffekt wieder verflüchtigen und die Inflation im Euroraum würde wieder sinken, schildert der Finanzleiter.

Herr Gächter beschreibt auch, dass die Zinsentwicklung momentan eigentlich nicht zur Inflationsentwicklung passt. Für die Höhe der Inflation müssten laut ihm eigentlich die langfristigen Zinsen viel höher sein. Das passiere, weil entweder die Märkte davon ausgehen, dass der Inflationsanstieg wirklich nur temporär ist, oder die Zentralbanken in den Anleihenmärkten so engagiert sind, dass es noch nicht zu einem Anstieg kommt. Momentan gehe man aber davon aus, dass es zu einem schnelleren Anstieg der Zinsen kommt.

Abschließend macht Herr Gächter klar, dass man sich überhaupt keine Sorgen vor einer Hyperinflation machen muss, da das Instrumentarium der Notenbanken so gut sei, dass sie jederzeit eingreifen könnten.

 

Monika Rosen

Monika Rosen ist Chefanalystin der Uni Credit Bank und bereits seit 1989 im Banken- und Wertpapiergeschäft tätig. Frau Rosen ist zertifizierte Börsenhändlerin, Aufsichtsratsmitglied und Vizepräsidentin der Österreichisch – Amerikanischen Gesellschaft und Lehrbeauftragte an der FH St. Pölten. 

Frau Rosen spricht über die Reaktion der Aktienmärkte, darüber wie die Entwicklung der Inflation mit der pandemischen Situation zusammenhängt und welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Branchen und Segmenten gibt.

 

„Früher gab es über lange Zeit Inflationen, ausgelöst durch Globalisierung und Technologie. Dann kam die Pandemie, das hatten wir glaub ich noch nie! Und jetzt ist die Frage: haben wir da jetzt ein nachhaltiges Drehen nach oben der Inflation oder oszilliert das aus und kehren wir zurück in die Welt, wie sie vorher war?“

 

Die Aktienmärkte seien auf Basis der Inflation stark gestiegen. Dies wurde, laut Frau Rosen, durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken unterstützt. Gerade die Tourismusaktien leben zwar sehr stark von den pandemischen Faktoren, aber es sei klar zu erkennen, dass beispielsweise die Hilton Aktie seit Jahresbeginn über 30% gestiegen ist. Diese massive Unterstützung durch die tiefen Zinsen spiegelt sich also auch in der Aktienentwicklung wieder, so die Chefanalystin der Unicredit - Bank.

Zu den Schlüsselaussagen von Frau Rosen zählt unter anderem, dass „Techplayer“ wie Amazon, Zoom oder Netflix im Spannungsfeld mit den zyklisch dominierten Werten wie Fluglinien und Hotels stehen. Das Ganze ist klar von der Entwicklung der Pandemie kontrolliert. Bis wir kein deutlicheres Bild davon haben, wie sich die Pandemie final auflösen lässt, wird dieses Spannungsfeld sicherlich bestehen bleiben.“

Auch Frau Rosen gibt noch einmal zu verstehen, dass der Ölpreis ein ganz entscheidender Faktor ist, welcher die Inflation angeschoben hat. Zudem zeige sich, neben anderen Branchen, auch im Tourismus die Zweiteilung „Luxus vs. Diskont“ welche die Inflation an Gäste weitergeben können. „Diese zwei Enden profitieren und die Mitte kommt unter Druck. Das ist so, das war vor der Pandemie schon so und auch nicht nur im Tourismus.“

 

Lisa Neumeier

Lisa Neumeier ist Partner im Münchner Büro von Simon-Kucher & Partners. Simon-Kucher ist eine globale Unternehmensberatung mit mehr als 1.600 Mitarbeitern in 26 Ländern weltweit. Als Unternehmensberaterin unterstützt sie ihre Kunden in der Tourismus- und Freizeitbranche hauptsächlich mit Marketing- Vertriebs- und Pricingaktivitäten und hilft ihnen somit Profitsteigerungen zu generieren.

Frau Neumeier berichtet von einer aktuellen Studie über Reise- & Freizeittrends und gibt einzigartige Insights darüber wie sich Reiseverhalten, Buchungsverhalten, Budgets und Präferenzen bei unseren Gästen durch die veränderte Situation entwickelt haben.

 

„Die Konsumfessel, die Corona den Kunden angelegt hat, hat durchaus die Konsumentenpräferenzen verschoben.“

 

Bei dem Vortrag von Frau Neumeier wird gleich zu Beginn klar, dass Menschen unbedingt reisen wollen und höhere Preise bei der einkommensstärkeren Hälfte der Befragten gar nicht als höher wahrgenommen werden. Im Laufe der Pandemie hat sich zudem ein sehr stark wachsendes Segment entwickelt: der Revenge Traveler. Dieses Segment besteht tendenziell aus jüngeren Menschen, welche tendenziell in größeren Städten leben und tendenziell ein höheres Einkommen haben.“

Generell berichtet Frau Neumeier, dass Aufenthaltsdauern kürzer werden und es weniger Urlaubsreisen gibt. Die Vermeidung von stark befüllten Orten führt auch dazu, dass öffentliche Verkehrsmittel eher gemieden werden. Untere anderem gehen auch Buchungen von Pauschalreisen zurück, da dort die Flexibilität genommen wird.

Die Art und Weise wie Menschen reisen und wie Menschen buchen hat sich also durch die Corona Krise stark verändert. In dieser Studie sei klar zu erkennen, dass es höhere Reisebudgets gibt und Buchungen immer kurzfristiger getätigt werden als vor der Krise. Diese gesteigerte Flexibilität von Arbeitnehmerseite birgt laut Frau Neumeier auch eine Chance für die Hotellerie. „Wir sehen kürzere Aufenthaltsdauern und gleichzeitig höhere Budgets – Upselling kann aktiv in das Prozessmanagement mit aufgenommen werden und birgt eine große Chance auf einfachem Weg seinen Umsatz zu steigern.“

Da immer mehr Menschen von überall aus arbeiten können, verbinden Arbeiter einen Businesstrip potenziell auch mit Anschlussbuchungen. Der Geschäftsreisemarkt sei wahrscheinlich perspektivisch über längere Zeit ein wenig gebeutelt aber das Thema Workation ist ein großer Trend und deswegen, sagt die Beraterin, dass sich Hotels darauf einstellen sollten. „Der Workation – Reisende sucht stabiles Internet und eventuell einen separaten Raum, wo er in Ruhe arbeiten kann. Deswegen kann man sich auf diese Zielgruppe relativ einfach einstellen.“

Frau Neumeier gibt den Hotels auch mit auf den Weg, dass Revenue Management am Besten sofort implementiert werden soll. Zudem sagt sie, dass dieser Workation Trend aufgegriffen werden soll, da dies eine Chance bietet, auch in der Nebensaison den einen oder anderen Gast beherbergen zu können.

 

Matthias Trenkwalder

Matthias Trenkwalder hat an der Universität Innsbruck und der LUISS in Rom internationale Wirtschaftswissenschaften studiert. Nach ersten Jahren Arbeitserfahrung in der Startup und -Investmentbranche hat er hat gemeinsam mit Simon Falkensteiner die Firma RateBoard gegründet und ist seit sechs Jahren erfolgreicher Geschäftsführer des Unternehmens.

Herr Trenkwalder gibt spannende Einblicke in die Preisentwicklungen der Premiumhotellerie über die letzten Jahre und spricht auch schon über den Ausblick auf die kommende Wintersaison. Es wurden Daten von über 300 Hotels in Deutschland, Österreich und Südtirol ausgewertet und vorgestellt, welche bereits mit dynamischen Preisen arbeiten.

 

"Die Zahl der Hotels, die mit RMS arbeiten ist tragisch gering. Nur rund 10% aller inhabergeführten Hotels in Europa arbeiten mit Revenue Management Systemen."

 

In Österreich gab es bereits vor der Pandemie Preissteigerungen, die deutlich über den Inflationsraten lagen. Innerhalb von drei Jahren wurden im Luxussegment sogar Preissteigerungen von über 30% durchgesetzt. Da Österreich einen vergleichbar kleinen Inlandsmarkt hat, hat man dort im Juli 2020 mehr unter dem Pandemieschock gelitten als in den anderen Regionen. Deswegen wurden ausnahmsweise in dieser Zeit Zimmer günstiger verkauft als vor der Pandemie, so der Geschäftsführer von RateBoard.

Verglichen mit Österreich hatte Südtirol wohl den Vorteil, dass diese Destination mit Italien einen viel größeren Inlandsmarkt hat. 2021 folgten auf Basis dessen deutliche Preissprünge. In Summe gab es in den letzten 3 Jahren in Südtirol Preissprünge von jenseits der 20%, berichtet Herr Trenkwalder. Im Gegensatz zu den Zonen im Alpentourismus gab es 2019 noch keine großen Preissteigerungen in Deutschland, man hat sich jedoch auch dort immer schon an die Inflationsrate angepasst. „Deutsche Hoteliers profitieren dann 2020 vom außergewöhnlichen Inlandstourismus und konnten auch deutliche Preissteigerungen von über 20% umsetzen. Auch 2021 wurde dieser Trend fortgesetzt.“

Die aktuellen Buchungszahlen der über 300 analysierten Hotels würden zeigen, dass unter diesen Hotels in Österreich nur ca. 25% weniger Umsatz generiert wurde als vor 2 Jahren. Das kann auch damit zusammenhängen, dass Buchungen immer kurzfristiger gemacht werden und heißt, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, bald wieder die gleichen Zahlen zu schreiben als vor der Pandemie. „Was die Inflationssituation im Tourismus anbelangt, ist zu erkennen, dass die Preissteigerungen höher sind als die Inflationsentwicklung.“  Ein ähnliches, sogar ein wenig besseres, Bild sehe man in Südtirol. Auch dort sei zu erkennen, dass die Preise Monat für Monat über den Werten der letzten Jahre liegen.

Laut dem CEO von RateBoard gilt: Je einzigartiger das Hotel ist, desto einfacher sei es, Preissteigerungen durchzusetzen, auf neue Gegebenheiten zu reagieren und somit nicht unter der Inflation zu leiden.

 

Sebastian Ott

Sebastian Ott ist Vorstandsvorsitzender der Familotel AG und somit Repräsentant für fast 70 Hotels. Herr Ott war als Geschäftsführer von verschiedensten Hotels tätig und hat somit sowohl einiges an Erfahrung als auch sehr viele Kontakte zu den Hotels.

Herr Ott berichtet praxisnah, welche Herausforderungen es zu meistern gibt und welche Möglichkeiten die Hotels haben, bestmöglich auf die hohe Inflation zu reagieren, damit sie weiterhin wirtschaftlich arbeiten können und nicht unter den steigenden Kosten leiden.

Die Inflation wird in den Hotels auf verschiedenen Ebenen wahrgenommen. Auf der direkten Ebene also in der erhöhten Einkaufspreissituation. Vor allem in den Energiekosten aber auch bei den Lebensmittelpreisen zeigt sich die Inflation spürbar. Auch auf der indirekten Ebene, nämlich der der Mitarbeiter, fällt ein erhöhter Kostendruck an. „Unsere Mitarbeiter können sich nicht mehr so viel leisten. Dies fällt schon am Weg zur Arbeit auf, wenn das Auto getankt werden muss und die Rechnung dafür auf einmal viel teurer ist, als beim letzten Mal.“

Der Mitarbeiter merkt also schon, dass er mehr Geld braucht, um überhaupt in die Arbeit zu kommen. Dadurch komme es, laut Herrn Ott, auf uns zu, dass wir mit einem erhöhten Druck aus der Mitarbeiterschaft nach höheren Löhnen haben. „Das ist ein sehr massiver Druck, welcher aber auch durchaus verständlich ist.“

Im Bezug auf das Kostenmanagement erläutert Herr Ott, dass vor allem die Öl- & Gaspreise, aber auch Fleisch- und Fischpreise Tagespreise sind, was bedeutet, dass man relativ wenig tun kann, um der Inflation gegenzusteuern. Die erhöhten Kosten könne man ausschließlich durch eine Umsatzsteigerung kompensieren.

 

„Es ist letztendlich der Weg nach vorne, einen höheren Verkaufspreis umzusetzen, weil an den Einkaufspreisen und den Energiepreisen werden wir als einzelne Hotels wenig machen können“.

 

Herr Ott rät den Hoteliers nicht nervös zu werden und sehr selbstbewusst mit den Preisen umzugehen, da die erhöhten von den Gästen nicht als teuer wahrgenommen werden. Das birgt zwar eine unheimliche Chance, aber dann ist es laut dem Vorstandsvorsitzenden der Familotel AG von besonderer Bedeutung, dass die Qualität stimmt. „Die Basis jeder Qualität sind unsere Mitarbeiter. Wir brauchen Mitarbeiter, die lange bei uns sind, wenig Fluktuation & wenig Kosten für Personalaquise.“ Damit könne man die Qualität sicherstellen und auch kurzfristig einen guten Verkaufspreis durchsetzen.

 

Wir von RateBoard bedanken uns noch einmal herzlich bei den Top Experten und allen Teilnehmer. Wir freuen uns schon auf die nächsten Events.

Gerne können Sie sich auch gleich Ihren persönlichen und unverbindlichen Beratungstermin fixieren.