Hoteltrends

18.03.2020

Eric Eric Marketing Manager

Massentourism im Alpenraum

Bereits seit mehreren Jahren wird die Thematik Overtourism in den Medien heiß diskutiert. Entstanden ist dieses Phänomen durch stark angestiegene Touristenzahlen. Zu Beginn waren vor allem die urbanen Touristen-Hotspots wie Barcelona, Venedig, Amsterdam, usw. - davon betroffen. Inzwischen wird aber auch immer mehr der Alpenraum mit der Problematik des Massentourismuses konfrontiert.

Zunehmend muss sich auch der Alpenraum mit Overtourism auseinandersetzen.

Der Tourismus boomt! Seit den vergangenen 10 Jahren steigen die touristischen Zahlen laut Studie der UNWTO weltweit um durchschnittliche 5 Prozent pro Jahr - eine Stagnation ist nicht in Sicht. Der größte Treiber dieser Entwicklungen sind die internationalen Touristenströme, welche laut einer Prognose der Welttourismusorganisation (UNWTO, Global Tourism Performance 2018) in den nächsten 10 Jahren weiter von 1,4 auf 1,8 Milliarden Ankünfte steigen soll. Die Hälfte der 1,4 Milliarden internationalen Gästeankünfte verzeichnete Europa. Dieses Wachstum bietet ein extremes Potenzial für den europäischen Tourismus, im Speziellen aber auch für den Alpenraum als touristische Destination. 

Im Zuge der steigenden Gästezahlen nimmt jedoch auch der Druck auf die Tourismus-Verantwortlichen der Region bzw. der Destination zu. Unter anderen ist es notwendig sowohl die Bedürfnisse der Reisenden als auch jene der Einheimischen Bevölkerung genau zu kennen, um diese bestmöglich zu befriedigen und Konflikte der beiden Parteien zu vermeiden.

Ein Patentrezept um Massentourismus zu bändigen gibt es nicht, dafür sind die individuellen Situationen und strukturellen Gegebenheiten der einzelnen Destinationen zu unterschiedlich. Viele Städte gehen bereits mit diversen Lösungsansätzen an die Problematik, die Effektivität dieser Maßnahmen wird jedoch erst in den kommenden Jahren ersichtlich. Mehr zu den Big Playern im Overtourism.

 

Der Ort mit der größten Tourismusdichte Europas*

Österreich ist eines der tourismusintensivsten Länder der Welt im Verhältnis zu der kleinen Bevölkerung laut einer Analyse der Wirtschaftsforscher des Wifo. Die Verteilung der Touristenströme innerhalb Österreichs erfolgen oft unproportional, am stärksten betroffen davon ist das UNESCO-Weltkulturerbe Hallstatt. Jährlich wird mehr Geld mit den öffentlichen Toilettenanlagen eingenommen als mit der Grundsteuer.

Die Tourismusdichte ist mit 124 Touristen pro Einwohner sechsmal so intensiv wie in Venedig, dies geht aus einem Vergleich der Tourismusintensität des Wifo in Europa hervor. Nicht berücksichtigt in dieser Kalkulation sind die Tagestouristen, welche einen Großteil der Reisenden ausmacht. Schätzungen zufolge kommen jährlich rund eine Millionen Touristen nach Hallstatt, nur jeder zehnte übernachtet auch. Tagestouristen bleiben nur wenige Stunden, während des Aufenthalts werden Fotos gemacht und der Ort erkundet. Ein wirtschaftlicher Mehrwert entsteht dabei nicht. Laut der Initiative “Bürger für Hallstatt” hat sich zwischen 2010 und 2018 die Anzahl der Reisebusse von 3440 auf 19.344 erhöht. Dies stellt eine Versechsfachung innerhalb von 8 Jahren dar.

Dass die kleine Ortschaft eine Überflutung von derartigen Menschenmassen auf Dauer nicht tragen kann ist eine plausible Folgerung. 2020 werden daher in Hallstatt erstmals aktive Gegenmaßnahmen umgesetzt - das “Verkehrskonzept Hallstatt 2018” tritt in Kraft. Seit diesem Jahr müssen Busgesellschaften im Voraus ein Zeitfenster zwischen 8 und 17 Uhr buchen, wer dies nicht tut wird kurzerhand abgewiesen. Die Gebühr für einen Slot liegt bei 80 Euro und die Mindestaufenthaltsdauer beträgt zweieinhalb Stunden. Dieser Ansatz soll die tägliche Anzahl an Bussen während der Hochsaison von 90 auf maximal 54 reduzieren. Die Zusatzeinnahmen durch das Verkehrssystem verstärken das vorhandene Budget, um Infrastruktur und Einrichtungen für die lokale Bevölkerung zu fördern.

 

Das wohl interessanteste Restaurant der Welt

Mit diesen Worten betitelte die Huffington Post im Jahr 2015 das Schweizer Gasthaus Aescher-Wildkirchli. Im darauffolgenden Jahr wurde das Berggasthaus auf dem Cover des National Geographic mit dem Titel “Places of a Lifetime” abgebildet, seither hat sich touristisch einiges geändert. Aus dem Aescher wurde ein Symbol für Overtourism, in den Sommermonaten kommen bis zu 250.000 Besucher in die einst urige Berghütte.

Die Popularität führte vor allem in Sachen Infrastruktur zu enormen Engpässen. Simpel ausgedrückt sind zu viele Touristen auf zu engem Raum. Die Pächterfamilie führte das Gasthaus seit 30 Jahren in der zweiten Generation, doch damit war nach der Sommersaison 2018 Schluss. Der Grund: zu viele Gäste, nicht ausreichend ausgebaute Infrastruktur. Inzwischen ist das Gasthaus unter neuer Leitung wieder geöffnet, die Probleme bleiben jedoch bestehen.

Das Wasser der Gaststätte ist begrenzt, es gibt keine Autozufahrt, die sanitären Anlagen entsprechen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen und Probleme mit der Stromversorgung stehen an der Tagesordnung. Die große Problematik: Anpassungen gestalten sich schwierig, denn der Denkmalschutz führt zu großen baulichen Einschränkungen.

 

#lagodibraies, “Da muss ich hin!”

Auf dem Social-Media Kanal Instagram findet man mit diesem Hashtag mehr als 220.000 Fotos vom Pragser Wildsee, täglich werden es mehr. In Kombination mit dem Social-Media Hype wurde die Szenerie als TV-Drehort genutzt, seither entsteht ein zunehmender Schneeballeffekt. An Spitzentagen werden bis zu 7.000 Autos und 15.000 Besucher gezählt, von einem Geheimtipp ist längst nicht mehr die Rede.

Zur Lenkung der Besucherströme wurde von der Gemeinde und den Interessenverbänden der “Plan Prags” entwickelt. Seit 2019 sind die letzten fünf Kilometer bis zum Pragser Wildsee während der Hochsaison von 10. Juli bis 10. September für den Individualverkehr gesperrt. Die restliche Distanz muss mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.

Die Verkehrsstopps und Zufahrtsbeschränkungen sind eine kurzfristige Lösung, in Zukunft soll die Bevölkerung entlastet werden und ein nachhaltiges Gesamtkonzept entstehen. In Planung sind ein Besucherzentrum am Taleingang inklusive Besucherparkplätzen und ein Transport zum See mit Wasserstoffbussen. Das Ziel ist die bessere Verteilung der Besucherströme, gleichzeitig wird versucht ein optimales Besuchererlebnis zu schaffen. Da derzeit 1,6 Millionen Touristen lediglich 140.000 Nächtigungen generieren sollen langfristig weitere Initiativen gesetzt werden, um die Zahl der Nächtigungen zu steigern. 

 

Hallstatt, der Aescher-Wildkirchli und der Pragser Wildsee sind nicht die einzigen betroffenen Destinationen bzw. Attraktionen in der Alpenregion derzeit. Auch der Mont Blanc, das Schloss Neuschwanstein, der Tourismusort Davos und viele andere setzen bereits Initiativen um den zunehmenden Touristenströmen entgegen zu wirken. Zukünftig ist es laut Tourismusexperten, welche dieses Thema auf der Alpinmesse in Innsbruck behandelt haben, unausweichlich die Tourismusströme auch im Alpenraum zu lenken und Urlauber aktiv aufzuklären.

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*Quelle: Wifo